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Du hast ein Fachbuch gelesen. Aber wer hat dich begleitet, während du die Seiten umgeblättert hast – und wer hilft dir, das Gelesene wirklich zu verarbeiten?

In einem Selbstversuch habe ich genau das ausprobiert: ein Buchgespräch mit Claude über Ethan Mollicks „Co-Intelligence. Living and Working with AI“. Was dabei entstanden ist, war mehr als eine Zusammenfassung. Es wurde zu einem Gespräch über meine eigene Praxis, meine Grenzen und meine Haltung zu einer Technologie, die gerade alles verändert.

Ethan Mollick: Co-Intelligenz. Leben und Arbeiten mit künstlicher Intelligenz

Ethan Mollick ist Associate Professor an der Wharton School der University of Pennsylvania und forscht zu KI, Arbeit und Bildung. Sein Buch Co-Intelligence erschien 2024 und richtet sich an alle, die verstehen wollen, wie große Sprachmodelle (LLMs) funktionieren, wo ihr Potenzial liegt und was das für Arbeit und Gesellschaft bedeutet.

Mollick plädiert für eine aktive, reflektierte Haltung gegenüber KI: weder blindes Vertrauen noch Ablehnung, sondern bewusstes Experimentieren. Dafür prägt er das Bild der Co-Intelligence – KI nicht als Werkzeug und nicht als Bedrohung, sondern als etwas Neues, für das unsere Sprache noch keine guten Worte kennt.

Buchcover Co-Intelligenz

Vier Prinzipien bilden den praktischen Kern des Buches:

  • KI immer einbeziehen. Teste KI bei möglichst vielen Aufgaben – unabhängig davon, ob sie im Einzelfall wirklich hilft. Nur durch konstante Interaktion lernst du, wo KI trägt und wo nicht.
  • Mensch im Loop bleiben. Menschliche Urteilskraft, Kontext und ethisches Abwägen lassen sich nicht delegieren, gerade dort, wo Präzision und Verantwortung gefragt sind.
  • KI wie eine Person behandeln. Wer KI eine konkrete Rolle oder Persona gibt, erhält bessere Ergebnisse. KI braucht Kontext. Je klarer dieser ist, desto hilfreicher die Antworten.
  • Davon ausgehen, dass dies die schlechteste KI ist, die du je nutzen wirst. Was heute noch fehlt oder stockt, wird sich schnell verbessern. Der produktive Umgang mit KI heute ist die beste Vorbereitung auf das, was noch kommt.

Zentral ist außerdem sein Konzept des Jagged Frontier: Die Leistungsgrenze von KI verläuft nicht gleichmäßig. Manchmal übertrifft sie Expertinnen und Experten, manchmal versagt sie bei einfachen Aufgaben. Diese Grenze lässt sich nicht aus der Ferne erkennen – man muss sie selbst erkunden.

So lief das Buchgespräch ab: Idee, Prompts und Methode

Die Grundidee war einfach: kein passives Lesen, sondern ein aktives Gespräch über das Gelesene. Statt eine KI-generierte Zusammenfassung zu lesen, sollte Claude als Gesprächspartner fungieren und zwar in einer konkreten Rolle.

Der erste Prompt legte den Rahmen fest: Claude wurde gebeten, das Gespräch als Ethan Mollick selbst zu führen. Das bedeutete: aus der Perspektive des Autors sprechen, dessen Thesen vertreten, aber auch gezielt nachfragen und herausfordern. Diese Rollenzuweisung veränderte die Qualität des Gesprächs deutlich. Anstatt allgemeine Informationen zu liefern, wurde Claude zum Gegenüber mit einer erkennbaren Haltung und einem roten Faden.

Dialog mit KI

Der Einstiegsprompt lautete sinngemäß: „Ich würde mich gerne mit dir über ein Buch unterhalten. Dabei sollst du mir Fragen passend zum Buch stellen und in einem Gespräch die Erkenntnisse sammeln.“ Claude antwortete mit einer klaren Gesprächsstruktur und übernahm von da an die Gesprächsführung.

Was folgte, war kein Interview und kein Quiz. Claude stellte offene Fragen, die auf meine Antworten eingingen: Was hat sich in deiner Wahrnehmung verändert? Wo merkst du die Grenze? Was nervt dich? Die KI fasste zwischendurch zusammen, benannte Widersprüche und hielt Erkenntnisse fest. Das Gespräch folgte keinem festen Skript – es entwickelte sich.

Gespräch mit KI über Co-Intelligenz

Besonders wirkungsvoll war die Entscheidung, Claude nicht nur als Informationsquelle zu nutzen, sondern als Reflexionspartner. Das ist ein Unterschied, der sich im Gespräch spürbar zeigte: Nicht „Was sagt Mollick über Cognitive Offloading?“ – sondern „Erlebst du das schon bei deinen Teilnehmenden?“ Diese Verschiebung vom Wissen zur Erfahrung machte das Buchgespräch zu einem echten Lerngespräch.

Parallel zum Gespräch mit Claude habe ich ganz analog eine Mind-Map für mich erstellt, die den Gesprächsverlauf symbolisieren und die verschiedenen Handlungsstränge aufzeigen soll.

Am Ende habe ich Claude noch gebeten, die wichtigsten Erkenntnisse in einem Fazit zu bündeln – als Grundlage für diesen [lernoblog]-Beitrag.

Baumstruktur über das Buch Co-Intelligenz

Was das Gespräch sichtbar gemacht hat

Diese Themen wurden im Gespräch besonders greifbar.

KI als Sparringspartner in der Praxis. In der Vorbereitung von Trainings – Konzeption, Inhalte, Seminarbeschreibungen – ist KI längst tägliche Begleiterin. Die Grenze liegt dort, wo der Raum beginnt: Gruppenenergie lesen, auf Stille reagieren, Dynamik gestalten. Das bleibt menschliche Aufgabe.

KI als Lehrer, aber nur mit metakognitiver Kompetenz. KI als Tutor funktioniert nur, wenn Lernende wissen, wann sie KI brauchen und wann nicht. Wer das nicht mitbringt, braucht Begleitung – auch im Umgang mit KI. Eine pädagogische Aufgabe, die bleibt.

Cognitive Offloading, ein unterschätztes Risiko. Wenn Aufgaben nur erledigt werden müssen, werden sie kommentarlos delegiert. Das ist kein Technologieproblem, sondern ein didaktisches. Die Aufgabengestaltung entscheidet, ob echtes Lernen entsteht oder nur Compliance.

Der Jagged Frontier ist kein theoretisches Konzept. Er ist Berufsalltag. Wer ihn nicht kennt, verpasst Chancen oder vertraut KI dort, wo sie nicht trägt. Die Fähigkeit, KI gut einzusetzen, wird selbst zur Expertise. Für uns und für die Menschen, mit denen wir arbeiten.

Erste Seite Kapitel 8 in Co-Intelligenz

Fazit

Das Buchgespräch mit Claude war kein Experiment um des Experiments willen. Es war eine Form des aktiven Lesens. Unterstützt durch ein System, das gezielt nachfragt, Widersprüche aufdeckt und Zusammenhänge sichtbar macht. Ob KI dabei wirklich „versteht“, ist eine philosophische Frage. Dass das Gespräch zu tieferen Erkenntnissen geführt hat, als ich sie durch stilles Lesen gewonnen hätte, ist eine praktische.

Mollicks These, dass Technologie uns unbewusst verändert, hat sich in diesem Gespräch bestätigt. Nicht als Warnung, sondern als Einladung. Die eigene Haltung zu KI ist keine Einstellungssache, die man einmal trifft. Sie entwickelt sich mit jeder Interaktion weiter.

Unsere Literaturempfehlung zum Thema

Buchcover Co-Intelligenz

Ethan Mollick: Co-Intelligenz Leben und Arbeiten mit künstlicher Intelligenz | Das Handbuch, um KI erfolgreich anzuwenden

Wie wir mir künstlicher Intelligenz umgehen können Ob Verheißung oder Weltuntergang, künstliche Intelligenz ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Jeder von uns nutzt sie – bewusst oder unbewusst, ob man will oder nicht. Aber was bedeutet dies für unsere Jobs, unser Privatleben und unsere Zukunft? Wie können wir sinnvoll mit ihr umgehen?

 

Der KI-Experte Ethan Mollick konzentriert sich in seinem ‚New York Times‘-Bestseller auf die praktischen Aspekte der künstlichen Intelligenz. Er erklärt leicht verständlich, wie KI als Co-Mitarbeiter zur Lösung komplexer Probleme, als Co-Tutor für effiziente Wissensvermittlung oder als Sparringspartner zum Erreichen unserer Ziele genutzt werden kann. Anhand von Fallbeispielen aus der Wirtschaft, Bildung und Gesundheit zeigt er, welche Vorteile künstliche Intelligenz konkret bieten kann, wenn wir uns aktiv mit ihr auseinandersetzen und sie verantwortungsvoll nutzen. Für alle, die der Zukunft einen Schritt voraus sein wollen.

Eigene Einschätzung von [lernglust]: 

„Wer KI nicht nur bedienen, sondern wirklich verstehen und sinnvoll in den Arbeitsalltag integrieren möchte, sollte Co-Intelligenz von Ethan Mollick lesen. Das Buch erklärt verständlich, warum KI kein Ersatz für menschliches Denken ist, sondern ein Sparringspartner – als Kollege, Coach, Tutor oder kreativer Ideengeber. Genau dieser Blick auf die Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI macht das Buch so wertvoll.

Besonders gefallen hat mir, dass Mollick nicht in Hype oder Untergangsszenarien verfällt. Stattdessen liefert er viele praktische Denkanstöße, die sich direkt auf Trainings, Wissensarbeit und Führung übertragen lassen. Wer – wie ich – Menschen dabei unterstützt, KI sinnvoll in ihren Arbeitsalltag zu integrieren, findet hier zahlreiche Impulse, die weit über Prompting hinausgehen.

Mein Fazit: Kein technisches Handbuch, sondern ein Perspektivwechsel. Eines der Bücher, das man gelesen haben sollte, wenn man KI nicht nur nutzen, sondern gemeinsam mit ihr arbeiten möchte.