Wir glauben: Wer sich im Job weiterentwickeln soll, braucht mehr als gute Inhalte – nämlich Zeit, Struktur und Motivation. In unserer Session auf der #loscon2025 ging es genau darum: den Working-Learning Gap – also die Lücke zwischen dem Wunsch nach Weiterbildung und der gelebten Realität im Arbeitsalltag – sichtbar zu machen und erste praktische Brücken zu bauen.
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- Wie viel Lernen ist realistisch – und wie viel wird stillschweigend erwartet?
- Welche Formate fördern Entwicklung, ohne zu überfordern?
- Und was motiviert Menschen ĂĽberhaupt, in ihrem Arbeitsalltag mit Freude zu lernen?
Die Inhalte dieses [lernoblogs] beziehen sich auf die Inhalte und Diskussionspunkte der Session auf der #loscon2025. Lies den Session-Beitrag nach oder sieh dir den Videomitschnitt der Sitzung an, wenn du es ganz genau wissen willst!
Der „Working-Learning Gap“ – wenn gute Absicht und gelebter Alltag auseinanderklaffen
Zwischen dem Wunsch nach Weiterbildung und der tatsächlichen Möglichkeit, Lernen im Arbeitsalltag zu verankern, klafft eine spürbare Lücke – der sogenannte Working-Learning Gap. Diese Lücke ist mehr als ein individuelles Problem. Sie wirkt sich auf mehreren Ebenen aus und behindert das Lernen systematisch:
Auf der Ebene des Individuums zeigt sich der Gap in Form von Überforderung, Stagnation und Demotivation. Mitarbeitende wollen sich weiterentwickeln, stoßen aber im Tagesgeschäft an Grenzen: Zeitmangel, unklare Erwartungen, fehlende Unterstützung oder schlicht die Abwesenheit geeigneter Lernformate führen dazu, dass Lernen aufgeschoben oder ganz unterlassen wird – mit entsprechenden Folgen für Motivation und Entwicklung.
Auf Teamebene entstehen Spannungen durch ungleich verteiltes Wissen und fehlenden Transfer. Wenn nur einzelne Personen Zugang zu neuen Inhalten oder Weiterbildungsformaten erhalten, fehlt die gemeinsame Wissensbasis. Dies erzeugt Reibung, verlangsamt Prozesse und fĂĽhrt zu Unsicherheit in der Zusammenarbeit. Lernen wird zur Einzelverantwortung statt zu einer geteilten Teamaufgabe.
Auf organisationaler Ebene schließlich wird deutlich: Wenn Lernen nicht strategisch mitgedacht und gefördert wird, bleiben Kompetenzaufbau und Entwicklung dem Zufall überlassen. Strategien scheitern, weil das notwendige Wissen in der Organisation nicht rechtzeitig vorhanden ist. Bestehende Kompetenzen veralten, und Innovation wird erschwert. Der organisationale Lernprozess verliert an Wirksamkeit, wenn er nicht bewusst strukturiert wird.
Vom Erkennen zur Umsetzung: Was Lernen im Arbeitsalltag wirklich braucht
Der Working-Learning Gap ist kein rein individuelles Problem – er ist Ausdruck struktureller, kultureller und strategischer Herausforderungen. Die Diskussion im Rahmen der Session zeigte eindrĂĽcklich: Lernen gelingt nur, wenn Organisation, FĂĽhrung und Individuum gemeinsam Verantwortung ĂĽbernehmen.Â
Organisationale Verantwortung und strategische Kompetenzentwicklung
Ein zentraler Diskussionspunkt war die Rolle der Organisation bei der aktiven Gestaltung von Lernräumen. Mehrere Teilnehmende betonten, dass Weiterbildung nicht dem Zufall überlassen werden dürfe, sondern Teil einer strategischen Kompetenzentwicklung sein müsse.
Wenn die Bedeutung von Kompetenzen als Schlüsselfaktor für den Unternehmenserfolg erkannt wird, ist der nächste logische Schritt, strukturierte Maßnahmen zu ergreifen – etwa durch systematische Kompetenzplanung oder verbindliche Entwicklungsformate.
Ein Ansatz, der sich dabei bewährt hat, ist die Einführung von formalisierten Entwicklungsplänen, die gemeinsam mit Führungskräften besprochen und verankert werden. Dies schafft Transparenz, Erwartungsklarheit und Orientierung – sowohl für Mitarbeitende als auch für Führungskräfte.
Kulturelle Hindernisse und FĂĽhrungsverantwortung
Gleichzeitig wurde deutlich: Selbst die besten Lernangebote entfalten wenig Wirkung, wenn die Unternehmenskultur kein Lernen zulässt. In vielen Organisationen fehlt es an psychologischer Sicherheit, um Lernzeit offen zu nutzen. Stattdessen erleben Mitarbeitende ein schlechtes Gewissen, wenn sie sich aus dem operativen Geschäft für Weiterbildung herausnehmen – oder spüren direkten Widerstand von Führungskräften. Diese kulturellen Barrieren äußern sich unter anderem in:
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- fehlender Akzeptanz von Lernzeiten
- unausgesprochener Priorisierung kurzfristiger Ziele
- Rechtfertigungsdruck gegenĂĽber EntwicklungsmaĂźnahmen
Technologische Ăśberforderung und die Suche nach Fokus
Ein weiterer Aspekt, der in der Diskussion zur Sprache kam, betrifft die Überforderung durch die Dynamik technologischer Entwicklungen. Selbst technikaffine Fachkräfte – etwa in der IT, Entwicklung oder Administration – empfinden die Geschwindigkeit des Wandels als herausfordernd. Die Vielzahl neuer Tools, Funktionen und Informationsquellen führt häufig nicht zu mehr Klarheit, sondern zu Überforderung. Der Bedarf an Orientierung und Hilfestellung zur Fokussierung wird zunehmend spürbar: Was ist relevant? Was ist zukunftsträchtig? Was braucht mein Team wirklich?
Damit wird deutlich: Auch Lernen im technologischen Umfeld braucht Struktur, Auswahlhilfen und Priorisierung, um wirksam zu sein – nicht bloĂź Zugriff auf Inhalte.Â
Vom Problem zur Praxis: Was jetzt zu tun ist
Die Diskussion um den Working-Learning Gap hat deutlich gemacht: Es mangelt nicht an Einsicht, dass Lernen wichtig ist – sondern an den konkreten Rahmenbedingungen, die es im Alltag ermöglichen. Strukturelle Hindernisse, kulturelle Unsicherheiten, technologische Überforderung und fehlende Fokussierung verhindern, dass Lernen tatsächlich gelebt wird.
Doch genau hier setzen mögliche Lösungsansätze an: Lernen im Arbeitskontext kann gelingen – wenn es relevant ist, gut kommuniziert wird und auf mehreren Ebenen gleichzeitig unterstützt wird.
Relevanz und zielgruppengerechte Kommunikation
Ein zentraler Schlüssel liegt in der Art, wie wir über Lernen sprechen. Wenn Lernangebote ernst genommen und genutzt werden sollen, müssen sie an der Lebenswirklichkeit der Zielgruppe andocken – und an ihren aktuellen Herausforderungen.
Statt mit abstrakten Lernzielen oder Mindset-Debatten zu starten, hat sich ein anderer Weg als wirksamer erwiesen:
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- Praxisnähe vor Prinzipien – mit konkretem Nutzen beginnen
- Relevanz sichtbar machen – z. B. durch Hacks, Quick Wins oder Use Cases
- Businessbezug klarmachen – also die Verbindung zur konkreten Zielerreichung im Job herstellen
Nur wenn Mitarbeitende, FĂĽhrungskräfte und Stakeholder verstehen, warum ein Lernangebot ihnen konkret weiterhilft, entsteht die Offenheit, es auch zu nutzen – und der Raum, es zu priorisieren.Â
Und wenn Lernen sich wieder wie Vorfreude anfĂĽhlen wĂĽrde?
Was, wenn wir das Lernen nicht nur organisieren und ermöglichen – sondern emotional verankern? Die Diskussion zeigte: Struktur, Kommunikation und Relevanz sind entscheidend. Aber was wirklich wirkt, ist oft viel einfacher – und tief vertraut.
Vielleicht hilft ein Blick zurĂĽck:
Wir erinnern uns an die Gute-Nacht-Geschichten, auf die wir uns jeden Abend gefreut haben – egal wie kurz sie waren. Oder an den Adventskalender mit seinen kleinen Überraschungen. Nicht der Umfang war entscheidend, sondern das Ritual, die Regelmäßigkeit und das Gefühl der Vorfreude.
Diese kleinen Formate können auch im Arbeitskontext Großes leisten: Ein kurzer Impuls am Morgen. Eine Mini-Lerneinheit mit Storytelling. Ein wöchentliches Peer-Update. Kleine, planbare Lernmomente, die Neugier wecken, die dranbleiben lassen – und sich anfühlen wie ein Türchen, das sich öffnet.
Denn manchmal beginnt nachhaltiges Lernen nicht mit einem groĂźen Plan — sondern mit der einfachen Frage: „Was wäre dein erstes kleines TĂĽrchen morgen?“

