The beautiful thing about poker is that everybody thinks they can play.
Vielleicht kennst du solche Diskussionen: Sobald es um den Einsatz von KI geht, entstehen schnell zwei Lager. Die einen sind begeistert und wollen möglichst viel automatisieren. Die anderen sehen vor allem Risiken und plädieren für Zurückhaltung.
Beides hat seine Berechtigung. Problematisch wird es erst, wenn diese Positionen nebeneinander stehen bleiben und kein echter Austausch entsteht.
Genau hier setzen strukturierte Gesprächsformate an. Ein Beispiel dafür ist das KI-Poker, das wir mit einer Gruppe von Trainer:innen entwickelt haben, die nach einer einfachen Möglichkeit gesucht haben, differenzierte Gespräche über den KI-Einsatz zu führen. Die Idee: Mit einer klaren Struktur lässt sich sichtbar machen, wie unterschiedlich Menschen über den Einsatz von KI denken – und wo gemeinsame Verständigung möglich wird.
Warum Gespräche über KI oft so schwierig sind
KI verändert gerade viele Arbeitsprozesse – vom Schreiben über Recherche bis hin zu Analyse und Entscheidungsunterstützung. Entsprechend groß ist der Bedarf, darüber zu sprechen, wo und wie wir diese Technologien sinnvoll einsetzen wollen.
Gleichzeitig sind solche Gespräche selten einfach. Zum einen, weil KI ein komplexes Thema ist. Viele Menschen haben unterschiedliche Erfahrungsstände – von intensiver Nutzung bis hin zu eher vagen Vorstellungen.
Zum anderen, weil KI schnell grundlegende Fragen berührt:
- Wie viel Kontrolle wollen wir behalten?
- Wo darf KI unterstützen?
- Wo sollte der Mensch entscheiden?
Diese Fragen betreffen nicht nur Technologie, sondern auch Verantwortung, Vertrauen und Arbeitskultur.
Das KI-Poker greift genau diese Herausforderung auf. Inspiriert vom bekannten Delegation Poker wurde ein Kartensystem entwickelt, das eine Skala zwischen zwei Polen sichtbar macht: von vollständiger menschlicher Kontrolle bis zu weitgehender KI-Autonomie.
Wie KI-Poker funktioniert
Im Kern arbeitet das KI-Poker mit einer Skala aus mehreren Karten, die unterschiedliche Grade der Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI darstellen.
Die Spannweite reicht von: 1 – volle menschliche Kontrolle bis zu 7 – weitgehende KI-Autonomie
Dazwischen liegen verschiedene Abstufungen, etwa:
- KI liefert Vorschläge, der Mensch entscheidet
- KI erstellt Entwürfe, der Mensch prüft und verändert
- KI arbeitet weitgehend selbstständig, der Mensch überwacht
Wichtig ist dabei: Die Karten beschreiben nicht nur technische Möglichkeiten, sondern vor allem Entscheidungs- und Verantwortungsebenen.
Spielweise des KI-Pokers
In einem Workshop oder Teammeeting wird dann eine konkrete Fragestellung diskutiert, zum Beispiel:
- Bis zu welchem Grad darf KI Lerninhalte generieren?
- Bis zu welchem Grad darf KI bei Einstellungsentscheidungen im Recruiting unterstützen?
- Bis zu welchem Grad darf KI personenbezogene Lern‑- und Leistungsdaten analysieren, um Entwicklungspläne zu erstellen?
Spielablauf
- Jede Person kann auf einer Skala von 1 bis 7 ihre Punkte vergeben,
- Es wird ein Thema/ eine Fragestellung formuliert. Jede:r überlegt für sich verdeckt, welche der 7 Spielkarten er/ sie ausspielen möchte.
- Auf Kommando werden die gewählten Karten ausgespielt.
- Die Spielerinnen der Karten mit dem höchsten und dem niedrigsten Wert erklären, warum sie diese ausgespielt haben.
- Danach wird eine weitere Runde zur gleichen Frage gespielt. Die Spielerinnen entscheiden, ob sie bei ihrer ursprünglichen Auswahl bleiben oder sich aufgrund der Diskussion umentscheiden möchten.
- Die Ergebnisse jeder Runde sowie die zentralen Diskussionspunkte werden auf dem Spielblatt festgehalten.
Warum solche Formate immer wichtiger werden
In vielen Organisationen wird KI inzwischen genutzt, ohne dass klar darüber gesprochen wurde, wie viel KI eigentlich gewünscht ist.
Einige Mitarbeitende experimentieren intensiv mit Tools. Andere bleiben vorsichtig oder fühlen sich unsicher.
Ohne gemeinsame Reflexion entstehen dadurch schnell Spannungen:
- unterschiedliche Qualitätsstandards
- Unsicherheit über Verantwortung
- implizite Erwartungen
Formate wie KI-Poker schaffen hier einen strukturierten Raum für Austausch. Sie helfen Teams, explizite Entscheidungen über den KI-Einsatz zu treffen, statt ihn einfach passieren zu lassen.
Gerade in Lern-, Trainings- oder Wissenskontexten kann das besonders wertvoll sein.
Führe strukturierte KI-Gespräche statt spontaner Diskussionen
Wenn Teams über KI sprechen, lohnt sich ein klarer Rahmen. Ein einfaches Kartensystem oder eine Skala kann helfen, unterschiedliche Positionen sichtbar zu machen. Dadurch wird die Diskussion weniger persönlich und stärker sachlich.
Diskutiere konkrete Anwendungsfälle statt abstrakte KI-Fragen
Fragen wie „Wie stehen wir zu KI?“ führen selten zu klaren Ergebnissen. Hilfreicher sind konkrete Szenarien: Präsentationen erstellen, Texte schreiben, Daten analysieren. So wird schnell sichtbar, wo Konsens besteht und wo noch Klärung nötig ist.
Gute KI-Entscheidungen entstehen im Gespräch
KI verändert gerade viele Arbeitsweisen. Doch die entscheidende Frage ist selten nur technisch. Sie lautet vielmehr: Wie wollen wir mit dieser Technologie arbeiten?
Darauf gibt es keine universelle Antwort.
Umso wichtiger sind Formate, die differenzierte Gespräche ermöglichen. KI-Poker ist ein Beispiel dafür, wie man komplexe Fragen rund um KI greifbar und diskutierbar machen kann.
Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Kompetenzen im Umgang mit KI: nicht nur Tools zu nutzen, sondern gemeinsam zu reflektieren, wie viel KI wir wirklich wollen.

